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Theaterprojekt in deutscher Sprache des Lycée International Georges Duby, Aix en Provence, Schuljahr 2008/2009:
 
aufgeführt am 7. April 2009 in der Eingangshalle des Lycée Georges Duby
Ödön von Horváth
„Es hat sich nun durch das Kleinbürgertum eine Zersetzung der eigentlichen Dialekte gebildet, nämlich durch den Bildungsjargon. Um einen heutigen Menschen realistisch schildern zu können, muß ich also den Bildungsjargon sprechen lassen. Der Bildungsjargon (und seine Ursachen) fordert aber natürlich zur Kritik heraus – und so entsteht der Dialog des neuen Volksstücks, und damit der Mensch und damit erst die dramatische Handlung – eine Synthese aus Ernst und Ironie.“
Ödön von Horváth
   
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mit
Juliette AVER, Alice BOSCH, Guillaume CLEMENT, Julien DUC-GONINAZ, Lucile MONET, Alexandre NARAYANIN, Tobias NARAYANIN, Aurélien SAUVAT, Oliver SIEWEKE, Alain Wegener, Alice WEGENER
 
künstlerische Leitung: Michael ZUGOWSKI
   
pädagogische Begleitung: Barbara DUC GONINAZ
 
 
INHALT

Die Komödie ‘Himmelwärts', 1937 in Wien, kurz vor dem 'Anschluss' Österreichs an Nazideutschland und dem Exil Horváths entstanden, ist nach des Autors eignener Aussage ein 'Märchenspiel', das in verdeckten Anspielungen die Korrumpierung von Künstlern durch ein totalitäres System satirisch darstellt. Es geht in dem Stück nicht grad heilig zu, wenn Sankt Petrus und der Teufel sich Dispute liefern, Kontrakte über die Ewigkeit schließen und wieder lösen und sich die Seelen der leicht verführbaren Erdlinge gegenseitig abjagen.

Die junge Luise, einziges Kind der Steinthalers, ist mit einem herzigen Natursopran gesegnet - womit sich die Aufzählung ihrer Segnungen bereits erschöpft. Mal abgesehen von ihrem beharrlichen Ehrgeiz, der sie wochenlang bei Wind und Wetter vor dem Bühneneingang ausharren lässt, um die Aufmerksamkeit der Intendantin zu erhaschen und den Sprung in die große Welt der Oper zu schaffen. Für dieses Ziel ist sie bereit, alles zu geben, sogar ihr Seelenheil.

Der Intendant, ein an sich untalentierter Opportunist, hat es ja schließlich auch bis ganz nach oben geschafft. Teufel auch! Er ignoriert allerdings das vor Kälte bibbernde Luiserl. Ganz allein steht's da, das Kind, ohne Schal, Vater und Mutter schon gestorben. Er, der alte Säufer, schmort in der Hölle. Sie, die gute Haut, verfolgt vom Himmel aus voller Sorge das Fortkommen ihrer Tochter.

Auch dem armen Schlucker von Hilfsregisseur verbaut der Intendant den Weg zum Erfolg so gründlich, dass dem nur der Weg in den fahrlässigen Selbstmord durch Alkohol bleibt. Aber wie im Diesseits ist er auch im Jenseits nirgends am rechten Fleck: Zu gut für die Hölle, zu schlecht für den Himmel. So ist er dazu verdammt, zwischen den Welten zu wandern, um am Ende vielleicht doch noch ein warmes Platzerl zu finden.

Selbst höllisch unter Druck, nimmt sich der Intendant doch noch der Luise an. Hat schließlich dem Teufel versprechen müssen, ihm eine neue Seel zu beschaffen. Er bringt den lyrischen Sopran der Luise ganz groß raus, die dafür sogar ihre "privaten Gefühle" hergibt: „Wo bin ich in zweihundert Jahr? Von mir aus in der finstersten Hölle, wenn ich nur heut was erreich!“ So sagt und tut sie.

Ruhm, Ehre, Karriere. Es läuft gut an für die Luise und sie ist schon wer auf der Welt, jeder kennt und verehrt sie. Jeder will ein Autogramm von ihr. Die Mutter blickt stolz vom Himmel auf sie herab.

Aber innen drin spürt die Luise eine Leere. Der Schlaf bleibt ihr weg und sie kann sich nicht an ihren großen Erfolgen freuen. So möcht sie's nicht bis ans Ende ihrer Tage halten und nimmt den Kampf mit den dunklen Mächten auf.

Mit verzweifeltem Mut bietet sie dem Teufel die Stirn, und weil des Teufels Vize, der alte Schlamperer, beim Aufsetzen des Vertrags gepatzt hat, findet sie das Schlupfloch, durch das sie der Hölle entkommen und ihr Seelenheil retten kann.

Und nicht nur für die Luise geht es himmelwärts. Am Ende möcht's noch gar dazu kommen, dass dem Höllenpersonal die Verdammten ausgehen...

 
DER AUTOR

Edmund Josef von Horváth (bekannt als Ödön von Horváth; 1901 -1938) war ein auf deutsch schreibender österreichisch-ungarischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 9. Dezember 1901 als erster Sohn des österreichisch-ungarischen Diplomaten Dr. Ödön Josef von Horváth und der Maria Lulu Hermine, geb. Prehnal, in Fiume (heute Rijeka , in Kroatien) geboren. Der Vater stammte aus Slavonien und gehörte dem Kleinadel an (das Adelsprädikat ist im Ungarischen durch das ‚H‘ am Ende des Nachnamens gekennzeichnet), die Mutter kam aus einer ungarisch-deutschen k.u.k. Militärarztfamilie.

1902 zog die Familie nach Belgrad um, 1908 nach Budapest , wo Ödön von einem Hauslehrer in ungarischer Sprache unterrichtet wurde. Als sein Vater 1909 nach München versetzt wurde, blieb Ödön zunächst in Budapest und besuchte dort das erzbischöfliche Internat, das „Rákóczianum“. 1913 zog er zu seinen Eltern und lernte erstmals die deutsche Sprache. 1919 legte er an einem Privatgymnasium seine Matura ab und schrieb sich noch im selben Jahr an der Universität München ein, wo er bis zum Wintersemester 1921/22 psychologische, literatur-, theater- und kunstwissenschaftliche Seminare besuchte.

Horváth begann 1920 zu schreiben. Der erste literarische Text Horvaths, Das Buch der Tänze, wurde 1922 konzertant in München und 1926 szenisch in Osnabrück aufgeführt. Ab 1923 lebte Horváth vor allem in Berlin , Salzburg und bei seinen Eltern im oberbayrischen Murnau am Staffelsee. Er widmete sich immer intensiver der Schriftstellerei, vernichtete jedoch viele Texte aus dieser Zeit. Er band sich an keine Partei, sympathisierte aber mit der Linken; er sagte als Zeuge in einem NS-Prozess aus und warnte in seinen Stücken, z.B. in Sladek, der schwarze Reichswehrmann (1929), zunehmend vor den Gefahren des Faschismus. 1929 trat er aus der katholischen Kirche aus.

Horváths Ruhm als Dichter erlebte im Jahr 1931 einen ersten Höhepunkt, als er auf Anregung Carl Zuckmayers gemeinsam mit Erik Reger mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde und sein bisher erfolgreichstes Bühnenstück Geschichten aus dem Wiener Wald aufgeführt wurde. Als die SA nach Hitlers "Machtergreifung" 1933 die Villa seiner Eltern in Murnau durchsuchte, verließ Horváth Deutschland und lebte in den folgenden Jahren in Wien und in Henndorf am Wallersee bei Salzburg als eines der wichtigsten Mitglieder des Henndorfer Kreises um Carl Zuckmayer. Um zu überleben, versuchte er noch 1934, trotz seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus, dem Reichsverband deutscher Schriftsteller beizutreten und wurde Mitglied der Union nationaler

Weil seine Stücke in Deutschland nicht mehr aufgeführt wurden, verschlechterte sich Horváths finanzielle Situation zusehends. Erst 1937, als sein Roman Jugend ohne Gott in Amsterdam erschien, konnte er wieder einen größeren Erfolg verzeichnen; der Roman wurde in mehrere Sprachen übersetzt, aber bereits 1938 in die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ aufgenommen und im Reichsgebiet eingezogen.

Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 fuhr Horváth nach Budapest und Fiume, bereiste einige andere Städte und kam Ende Mai nach Paris. Am 1. Juni traf er im Café Marignan den Regisseur Robert Siodmak, um mit ihm über die Verfilmung des Romans Jugend ohne Gott zu sprechen. Doch noch am selben Abend wurde Horváth während eines Gewitters auf den Champs-Élysées von einem herabstürzenden Ast erschlagen.

Sozialpolitische Stoffe bilden den Kern von Horváths dramatischem Oeuvre. Anhand von Einzelschicksalen pauperisierter, perspektivloser Kleinbürger sowie von Frauengestalten in drastischer patriarchaler Abhängigkeit zeichnet er Bilder einer entfremdeten und sozial deprivierten Gesellschaft. In späten Arbeiten treten religiöse Fragestellungen im Sinne von Verantwortung und Schuld als Kategorie menschlichen Handelns hinzu. Im Prosa-Spätwerk (Romane Jugend ohne Gott und Ein Kind unserer Zeit) setzt Horváth sich mit dem Aufstieg des Faschismus auseinander.

Horváth gilt als Erneuerer des Volksstücks. In seinen dramatischen Arbeiten kritisiert er den artifiziellen „Bildungsjargon“, den er mittels einer künstlichen und kommunikationslosen „Dialogsprache“ zu entlarven trachtet [2]: „Es hat sich nun durch das Kleinbürgertum eine Zersetzung der eigentlichen Dialekte gebildet, nämlich durch den Bildungsjargon. Um einen heutigen Menschen realistisch schildern zu können, muß ich also den Bildungsjargon sprechen lassen. Der Bildungsjargon (und seine Ursachen) fordert aber natürlich zur Kritik heraus – und so entsteht der Dialog des neuen Volksstücks, und damit der Mensch und damit erst die dramatische Handlung – eine Synthese aus Ernst und Ironie.“

     
 
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