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| - 13100 Aix en Provence - 12, rue d'Entrecasteaux - téléphone: 06 61 55 13 57 - courriel: audouze@gmail.com - |
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| spectacles 2009/2010 |
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| 'HIMMELWÄRTS' VON ÖDÖN VON HORVATH, PROJEKT DES SCHULJAHRES 2008/2009, KLICK HIER |
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Theaterprojekt in deutscher Sprache des Lycée International Georges Duby, Aix en Provence, Schuljahr 2009/2010: |
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| Friedrich Dürrenmatt |
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"Ich gehe nicht von einer These, sondern von einer Geschichte aus. Geht man von einer Geschichte aus, muß sie zu Ende gedacht werden. Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat." |
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Friedrich Dürrenmatt |
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mit |
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Silvio Antretter, Kim ARDOIN, Juliette AVER, Alice BOSCH, Guillaume CLEMENT, Marie KASSMANN, Julian LÖLKES, Baptiste MASSON, Lucile MONET, Alexandre NARAYANIN, Luisa von RICHTHOFEN, Aurélien SAUVAT, Oliver SIEWEKE, Camille THION, Darja ULBRICHT, Nina UMBECK, Alain Wegener |
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künstlerische Leitung: Michael ZUGOWSKI |
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| pädagogische Begleitung: Barbara DUC GONINAZ |
INHALT |
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'Die Physiker' Federzeichung von Friedrich Dürrenmatt |
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Die Komödie 'Die Physiker' entstand im Jahr 1961 und wurde am 21. Februar 1962 unter der Regie von Kurt Horwitz im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. 1980 überarbeitete Dürrenmatt das Theaterstück in einer Endfassung für seine Werkausgabe . Namensgebend für das Stück sind drei Physiker, die als Patienten in einer privaten psychiatrischen Klinik leben. Zwei von ihnen behaupten, Albert Einstein und Isaac Newton zu sein. Johann Wilhelm Möbius, der dritte Physiker, hat die revolutionäre Weltformel entdeckt, die in den falschen Händen zur Vernichtung der gesamten Welt führen könnte. Mit seiner Behauptung, ihm erscheine König Salomo , will er sich selbst unglaubwürdig machen und so den Missbrauch seiner Entdeckung verhindern. Newton und Einstein hingegen sind in Wahrheit Agenten rivalisierender Geheimdienste . Sie haben sich in dasselbe Irrenhaus wie Möbius einweisen lassen, um an seine Erkenntnisse zu gelangen und diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Die drei Physiker ermorden ihre Krankenschwestern, weil sie um ihre Geheimnisse fürchten. Als die Polizei mit ihren Ermittlungen der Todesfälle eintrifft, vernichtet Möbius seine Formeln. Es gelingt ihm, seine beiden Kollegen davon zu überzeugen, ihr gefährliches Wissen vor der Welt zu verschweigen, damit diese vor dem Untergang bewahrt werde. Doch der Pakt der Physiker kommt zu spät. Mathilde von Zahnd, die missgestaltete Besitzerin und Chefärztin des Irrenhauses, hat bereits sämtliche Aufzeichnungen Möbius' kopiert. Sie als die einzig wirklich Verrückte glaubt tatsächlich, im Auftrag König Salomos zu handeln, und will mit der Formel die Weltherrschaft erringen. Die Physiker, durch die von ihr initiierten Morde öffentlich als Verrückte gebrandmarkt, haben keine Möglichkeit, ihre Pläne zu verhindern und bleiben im Irrenhaus eingesperrt. |
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WERKGESCHICHTE |
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Bilder der Uraufführung am Schauspielhaus Zürich 1962 mit Therese Giehse, Gustav Knut und Theo Lingen |
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Die weltpolitische Lage der späten 1950er, der frühen 1960er Jahre, dem Zeitpunkt der Entstehung der Physiker , war geprägt durch den Kalten Krieg zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion , sowie Befürchtungen über einen möglichen Atomkrieg . Die politische Lage wurde verschärft durch den Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961. Bereits im Jahr 1957 hatten sich 18 Atomforscher der Bundesrepublik mit der Erklärung der Göttinger Achtzehn gegen die militärische Nutzung der Atomkraft und eine Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen gewendet. 1959 veröffentlichte Günther Anders seine „Thesen zum Atomzeitalter“, die in ähnlich pointierten Aussagen mündeten wie später Dürrenmatts 21 Punkte zu den Physikern: „Was jeden treffen kann, betrifft jeden.“ Auch für Friedrich Dürrenmatt bedeuteten die 1950er Jahre eine Zunahme seines weltpolitischen Engagements. Mit der Schrift Theaterprobleme hatte er 1955 seine Theaterarbeit auf ein gesellschaftliches Fundament gestützt. Ein Vorläufer der Physiker lässt sich bereits im Kabarett-Sketch Der Erfinder ausmachen, den Dürrenmatt 1949 für das Cabaret Cornichon geschrieben hatte. In diesem tritt ein Professor mit einer Miniaturbombe auf, die die gesamte Welt vernichten könnte. Er sichert jedoch den Weltfrieden, indem er sie im Dekolleté einer anwesenden Dame versteckt. 1956 erschien Robert Jungks Buch Heller als tausend Sonnen über die Entwicklung der Atombombe , das so genannte Manhattan-Projekt , und das Schicksal der beteiligten Forscher. Dürrenmatt verfasste im Dezember 1956 eine Rezension dieses Buchs für Die Weltwoche , in der er Thesen entwickelte, die sich später in den Physikern wiederfinden. So argumentierte Dürrenmatt, es gebe keine Möglichkeit, „Denkbares geheim zu behalten. Jeder Denkprozess ist wiederholbar.“ Das Problem der Atombombe könne nur international gelöst werden „durch Einigkeit der Wissenschaftler.“ Denken werde in Zukunft immer gefährlicher, es sei aber unmöglich, „die Pflicht, ein Dummkopf zu bleiben, als ethisches Prinzip aufzustellen.“ Nachdem die Resolutionen der Wissenschaftler zu spät gekommen seien, „verfügen nun die über die Atomkraft, die sie nicht begreifen.“ Sein Leben lang beschäftigte sich Dürrenmatt mit Erkenntnistheorie und ethischen Fragen in Bezug auf Naturwissenschaften . Eine besondere Vorliebe verband ihn seit der Schulzeit mit der Physik und Mathematik . Allerdings gab er zu, in diesen Fächern „zu stümpern. Wohl lese ich mathematische oder physikalische Bücher, doch vermag ich ihren Inhalt bloß zu ahnen.“ Dürrenmatt pflegte persönlichen Kontakt zu Kernphysikern , so zu Theodor Bleuler, dessen Name in der Figur Herbert Georg Beutler anklingt. Der Handlungsort der Physiker geht auf Dürrenmatts Kenntnis der psychiatrischen Klinik Préfargier nahe seiner Heimatstadt Neuchâtel sowie einen persönlichen Besuch in einer weiteren Klinik bei Lausanne , die vom Mann seiner Cousine geleitet wurde, aus dem Jahr 1950 zurück. Über die Frage, warum die ursprünglich männliche Rolle des Anstaltsleiters auf eine Frau umgeschrieben wurde, und welche Rolle dabei die von Dürrenmatt verehrte Schauspielerin Therese Giehse spielte, der das Stück gewidmet ist, gibt es vom Autor selbst verschiedene Antworten. Gegenüber Jürg Ramspeck berichtete er: „Ich habe in der Tat der Giehse den Entwurf der Physiker gezeigt, worauf die Giehse sagte, den Irrenarzt möchte sie spielen. So wurde eben eine Frau daraus.“ In einem Interview mit Urs Jenny betonte er dagegen: „Eigentlich ist nicht einmal die hübsche Anekdote wahr, ich hätte Therese Giehse zuliebe in den Physikern den Irrenarzt in eine Ärztin verwandelt. Die Änderung gab einen entscheidenden Kontrast, eine Spannung, die ich lange gesucht hatte.“ [8] In einem Gespräch mit Fritz J. Raddatz führte er weiter aus: „Zuerst hatte ich einen Irrenarzt konzipiert. Dann begriff ich, daß der streng logischen Welt der drei Physiker nur eine verrückte Frau gegenüberstehen kann. Wie ein verrückter Gott, der sein Universum gestaltet“. Das Theaterstück Die Physiker entwickelte Dürrenmatt im Jahr 1959 parallel zu den Arbeiten an Der Meteor und der Erzählung Weihnacht . Unter dem Eindruck des Misserfolgs des Vorgängerstücks Frank der Fünfte plante Dürrenmatt, „ein vergleichsweise einfaches Stück zu schreiben.“ [10] Während des Jahres 1961 arbeitete Dürrenmatt das Stück aus. Die Aufzeichnungen wurden um die Regieanweisungen der Uraufführung ergänzt und 1962 im Zürcher Arche Verlag veröffentlicht. Die 1980 im Rahmen der Werkausgabe im Diogenes Verlag publizierte „Endfassung“ unterscheidet sich nur in geringfügigen Details. |
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DAS STÜCK SZENE FÜR SZENE |
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Akt 1Einführung in den Ort der Handlung - Die Kleinstadt, in der die Handlung angesiedelt ist, müsste durch ihre ruhige Lage und die „blauen Berge“ in der Umgebung eine idyllische Situation erzeugen. Die dort befindliche „bescheidene“ Universität, Justizvollzugsanstalt und das „verlotterte“ Irrenhaus erzeugen aber einen kleinbürgerlich dekadenten Gesamteindruck, was den Leser bereits auf den Unterschied zwischen dem äußeren Schein und den dahinterliegenden Problemen einstimmt. Das Stück spielt komplett in der „Villa“ des Irrenhauses „Les Cerisiers“ (zu deutsch „Die Kirschbäume“), einem Block, in dem nur noch die drei Physiker als die Patienten Newton, Einstein und Möbius behandelt werden.Gespräch zwischen Inspektor Voß und Oberschwester - Das Stück beginnt damit, dass Inspektor Voß ins Sanatorium kommt, um die Umstände des Todes einer Krankenschwester zu klären. Sie ist von Einstein, für den sie zuständig gewesen war, erdrosselt worden. Der Inspektor befragt nun die Oberschwester zu dem Vorfall und möchte auch mit Einstein sprechen. Die Schwester weist den Inspektor aber ständig barsch zurecht, da es sich nicht um einen Mörder, sondern um einen Verrückten handle. Die Bewertungsmaßstäbe des Inspektors passen demnach gar nicht zu denen der Oberschwester, die Grenzen zwischen richtig und falsch werden verwischt. Die Oberschwester versucht sogar, die Situation so zu verdrehen, dass der Inspektor als Störenfried erscheint, der in die geregelten Abläufe des Irrenhauses einbricht. Den Tod der Krankenschwester stellt die Oberschwester als nicht weiter beunruhigend dar, der Mörder dagegen wird bedauert und „muss sich beruhigen“. Der Inspektor darf nur zuschauen, aber nicht rauchen.Gespräch zwischen Inspektor Voß und Newton - Bereits drei Monate zuvor hatte Newton seine Pflegerin auf ähnliche Weise getötet, auch seiner konnte der Inspektor aufgrund der vorgetäuschten Verrücktheit nicht habhaft werden. Gemeinsam ist beiden, dass sie von ihrer jeweiligen Krankenschwester geliebt worden sind und diese mit ihnen wegziehen wollte. So kommt es dazu, dass sich der Inspektor mit Newton unterhält. Der Inspektor als Repräsentant des Staates und seiner Macht müsste das Gespräch lenken und in seinem Interesse führen. Newton jedoch dreht den Spieß einfach um und verteilt die Rollen neu. Er bringt das ganze Gespräch auf ein völlig anderes Niveau und bringt den Inspektor so in eine Situation, der er augenscheinlich nicht gewachsen ist. Der Inspektor wird somit zum „Täter“, der mit verrückten Befragungen völlig aus seinem Konzept kommt. Außerdem weist Newton den Inspektor zurecht, als dieser sich eine Zigarette genehmigen will, und erklärt ihm paradoxerweise, dass nur die Patienten rauchen dürften, Besucher jedoch nicht. Diese groteske Situation zeigt wieder den verrückten Ordnungsbegriff. Die Beschwerde Newtons darüber, dass ein kleiner Mörder verurteilt würde, der Erfinder der Atombombe jedoch nicht, passt in die Deutung des Gesamtwerkes, es zeigt die vornehmlichen paradoxen Begebenheiten und Widersprüche der bürgerlichen Weltordnung.Gespräch zwischen Inspektor Voß und Fräulein Mathilde von Zahnd - Voß erzählt der Anstaltsleiterin zunächst, dass sich Newton auch für Einstein halte, diese entgegnet aber „für wen sich meine Patienten halten, bestimme ich“. Die Parallele zu Görings Aussage „Wer bei mir Jude ist, bestimme ich“, ist dabei von Dürrenmatt möglicherweise nicht ganz zufällig gewählt, denn sie zeigt die Machtstellung der Anstaltsärztin und ihre Manipulationsfähigkeit, sie wird zur Inkarnation des Bösen . So suggeriert sie dem Inspektor, die Morde an den Krankenschwestern seien eine Folge der Deformation der Gehirne durch Radioaktivität, als der Inspektor ihr klarmachen will, dass nach dem nunmehr zweiten Mord an einer Krankenschwester Sicherheitsmaßnahmen erforderlich sind. Da der dritte Insasse nicht mit Radioaktivität in Verbindung gekommen sei, ginge von ihm demnach keine Gefahr mehr aus. Außerdem versucht sie, die Irren-Welt mit der normalen Welt zu verquicken, sie behauptet „Gesunde morden auch und bedeutend häufiger“.Besuch von Frau Rose - Der Physiker Möbius bekommt nach 15 Jahren wieder Besuch von seiner Frau Lina Rose, die sich inzwischen von ihm hat scheiden lassen. Sie wird begleitet von ihrem neuen Mann, Missionar Oskar Rose, und Möbius' drei Kindern Adolf-Friedrich, Wilfried-Kaspar und Jörg-Lukas. Der erste Auftritt der Familie Rose dient als Einführung in die eigentliche Handlung und gibt Hintergrundinformationen zu seiner Familie und seinem beruflichen Werdegang. Seine scheinbare Verrücktheit bekräftigt Möbius zum einen durch sein äußeres Verhalten: Er setzt sich in einen umgedrehten Tisch, um einen Psalm des „König Salomo“ zu rezitieren, und schreit seine Frau hinaus. Außerdem tut er so, als ob er seine Familie zunächst nicht erkennen würde. Der von ihm gespielte barsche Umgang mit seiner Familie verdeutlicht, welche Opfer Möbius und seine Familie bringen mussten und müssen, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse Möbius' zu schützen. Die Familie versucht dagegen besonders harmonisch zu wirken, obwohl Frau Rose ein schlechtes Gewissen wegen ihrer erneuten Heirat und daher Angst vor der Begegnung hat. Sie scheint sich für Möbius besonders aufgeopfert zu haben: Sie finanzierte sein Studium und jetzt seinen Sanatoriumsaufenthalt, weil sie besorgt ist, er könnte in eine staatliche Heilanstalt kommen. Der überzeichnete, gekünstelte Auftritt der ganzen Familie gibt sie in den Augen des Lesers der Lächerlichkeit preis. So führen die Kinder in vornehmer Schüchternheit ein Flötenstück vor und Frau Rose spricht Möbius mit „Johann Wilhelmlein“ an. Diese unbedingte Wahrung des idyllischen äußeren Scheins und der bürgerlichen Konventionen entlarvt deren Starrheit. Durch ihre übertriebene Hingabe für ihren Mann (Finanzierung des Studiums usw.) und ihre scheinbar selbstlose Aufopferung für ihren neuen Mann, Missionar Rose, der weitere Kinder und somit weitere Aufopferungen für Frau Rose mit sich bringt, pervertiert sie die christliche Nächstenliebe. Sie will von allen bedauert werden. Schließlich vertreibt Möbius seine Familie mit einem gespielten Anfall, um den Kontakt zu seiner Familie komplett abzubrechen und ihr damit den Abschied nicht unnötig schwer zu machen. Er will damit seine gespielte Verrücktheit verdeutlichen und die Welt vor seinen eigenen Erfindungen beschützen.
Gespräch zwischen Möbius und Schwester Monika - Nun findet eine Wendung im Drama statt: Die Krankenschwester Monika Stettler verrät Möbius, dass sie an ihn und den König Salomo, der ihm erscheint, glaubt und ihn liebt. Zunächst versucht er noch, sie dazu zu bringen von ihm abzuhalten doch als er erfährt, dass sie sogar schon ein gemeinsames bürgerliches Leben vorbereitet hat und so Möbius' Geheimhaltung seiner Erkenntnisse gefährdet ist, erdrosselt er sie mit der Vorhangkordel. Die Szene hat vorwiegend eine dramaturgische Funktion, denn der Tod der dritten Krankenschwester ist Voraussetzung für die folgende Handlung: Der weitere Mord dient Fräulein Doktor von Zahnd dazu, Möbius vor der ganzen Welt unglaubwürdig zu machen.Akt 2Die ersten zwei Szenen des zweiten Akts sind eine Wiederholung der Untersuchungsszenen des ersten Akts, jedoch mit „umgekehrten Verhältnissen“ – die äußere Handlung stimmt mit der des ersten Akts überein, die Meinungen und Dialoge sind jedoch fast gespiegelt. Die toten Krankenschwestern wurden nun durch männliche Pfleger ersetzt, die allesamt Meister des Kampfsports sind. Gespräch zwischen Inspektor Voß und Fräulein Mathilde von Zahnd - Der Inspektor, der zur Befragung erschienen ist, steht nun über allen und allem. Er berichtigt nun Fräulein von Zahnd – sie spricht von Möbius als „Mörder“, er von einem „Täter“. Indem er also die Ordnungsprinzipien des Irrenhauses akzeptiert und verinnerlicht, kann er alle zurückweisen. Die Ärztin von Zahnd dagegen spielt nun die Verwirrte, indem sie sich von dem Mord Möbius' überrascht zeigt. Der Inspektor weist damit die Verantwortung für die Aufklärung zurück, er kapituliert vor einer Situation, die er ohnehin nicht verändern kann. Dieses kann als Spiegel der Gesellschaft verstanden werden: Man zieht die Anpassung dem Widerstand vor, um sich dadurch freier zu fühlen.Gespräch zwischen Möbius und Fräulein Mathilde von Zahnd - Möbius redet sich wie üblich auf den König Salomo heraus, der ihm angeblich erscheine, ihm Anweisungen erteile und so zu seiner Genialität verhelfe. Auch wenn diese Verrücktheit nur gespielt ist, glaubt ihm Fräulein von Zahnd – die Regieanweisung „Schwerfällig. Bleich.“ und ihre Wiederholung „Seine Majestät ordnete den Mord an“ belegen dieses. Hier zeigt sich dem aufmerksamen Leser bereits ihre Verrücktheit.Gespräch zwischen den drei Physikern - Dieses Gespräch beim Abendessen stellt den inneren und äußeren Höhepunkt des Stücks dar.1. Gesprächsteil: Die drei Physiker geben gegenseitig zu, dass sie in Wahrheit nicht verrückt sind. Newton heißt eigentlich Alec Jasper Kilton, ist der Begründer der „Entsprechungslehre“ und hat sich als Agent verpflichtet, er steht für den Westblock , genauso Einstein, der in Wirklichkeit Joseph Eisler heißt und den „Eisler-Effekt“ entdeckt hat, er steht für den Ostblock. Beide sind hinter den Arbeiten von Möbius her, der die sogenannte „ Weltformel “ entdeckt zu haben glaubt und versucht diese zu schützen, indem er sich als Irrer hat einliefern lassen – vergeblich. Jeder der beiden Agenten will nun Möbius' Forschungsergebnisse für sein Land beanspruchen. Beide ziehen ihre Pistolen, erkennen jedoch die Sinnlosigkeit eines Duells und legen sie wieder beiseite, da beide gleich gut mit einer Waffe umgehen können. 2. Gesprächsteil: Der Diskurs zwischen den Physikern über die Möglichkeit des wissenschaftlichen Forschens in der heutigen Welt ist der gedankliche Höhepunkt des Stücks. Dabei vertreten die Physiker folgende Positionen:
Als Möbius bekannt gibt, dass er seine Aufzeichnungen bereits verbrannt hat, erkennen die Agenten, dass ihr erneut fast begonnener Kampf keinen Sinn ergibt und legen abermals die Waffen nieder. Möbius versucht nun, die anderen zunächst mit Gründen der Vernunft von der Notwendigkeit des Verbleibens in der Irrenanstalt zu überzeugen: Die Wissenschaft sei schrecklich geworden, die Forschung gefährlich, die Erkenntnisse tödlich. Als einzige Möglichkeit sieht er die Kapitulation vor der Wirklichkeit und daher eine Zurückhaltung der Erkenntnisse. „Nur im Irrenhaus dürfen wir noch denken. In der Freiheit sind unsere Gedanken Sprengstoff.“ Diese Überzeugungsarbeit fruchtet jedoch bei den Agenten nicht, sie wollen trotzdem das Irrenhaus verlassen. Daher überzeugt er sie mit ihren Morden: Wenn sein Wissen an die Öffentlichkeit käme, wären die Morde umsonst gewesen und aus der Opferung zum Schutze der Menschheit würden ganz normale Morde, aus ihnen als Täter würden normale Mörder. Damit kann er sie überzeugen, ihre Gefangenschaft als Sühne für die begangenen Morde anzusehen und einen Beitrag zur Rettung der Menschheit zu leisten. Somit scheint das Stück zunächst positiv auszugehen: Die Helden opfern sich, die persönliche Schuld wird gesühnt, die gestörte Weltordnung scheint wiederhergestellt. Die Physiker gehen auf ihre Zimmer. Ende - Fräulein von Zahnd, die Besitzerin des Irrenhauses, lässt die drei Physiker von ihren Zimmern holen und entwaffnet die beiden Agenten. Sie erzählt, dass auch ihr der König Salomo seit Jahren erschienen sei. Sie ist die einzig tatsächlich verrückte (im Sinne von: geistig gestörte) Person im Haus (Interpretation 1). Sie gibt zu, dass sie die Krankenschwestern mit Absicht auf sie gehetzt hat, so dass sie sterben mussten. Dadurch sind die Physiker in der Anstalt festgehalten, da sie außerhalb als „Mörder“ gelten würden, als Irre sind sie dagegen nur „Täter“. Fräulein von Zahnd hat sämtliche Aufzeichnungen von Möbius bereits vor der Vernichtung kopiert und so für sich erhalten können. Damit bewahrheitet sich die Aussage „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“ So schlägt sie daraus riesige Gewinne und bedenkt nicht, welche großen Gefahren in den Technologien liegen – Technologien, die die ganze Menschheit vernichten könnten. Die drei Physiker dagegen bleiben als vermeintlich Verrückte im Irrenhaus eingesperrt. Die Offenbarung Fräulein von Zahnds stellt die von Dürrenmatt in seinen 21 Punkten erwähnte schlimmstmögliche Wendung dar, die nach Punkt 3 das Ende einer Geschichte darstellt. Sie ist zufällig (Punkt 4), da keiner der Physiker voraussehen konnte, was die Irrenärztin vorhatte, und auch der Zuschauer im Dunkeln gelassen wurde.Schlussmonologe - In drei abschließenden Monologen finden Kilton, Eisler und Möbius wieder in ihre anfänglichen Rollen als Physiker zurück. Die Geheimagenten stellen sich als Newton und Einstein vor, Möbius identifiziert sich nun völlig mit dem König Salomo: „Ich bin Salomo. Ich bin der arme König Salomo.“ [12] Der Schluss erinnert an eine Gerichtsverhandlung, in der die Angeklagten nach ihrer Verurteilung das Schlusswort sprechen. Dabei symbolisieren sie drei Stufen des wissenschaftlichen Fortschritts:
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DER AUTOR |
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Dürrenmatt, Selbstbildnis |
Dürrenmantt, Weltraumpsalm | Dürrenmatt, Selbstportrait |
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Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen im Kanton Bern geboren. Sein Grossvater war der Politiker Ulrich Dürrenmatt , sein Vater Reinhold Dürrenmatt war reformierter Pfarrer des Dorfes. 1924 kam seine Schwester Verena zur Welt. 1935 zog die Familie nach Bern um, wo der Vater Pfarrer am Diakonissenhaus wurde. Die Weltwirtschaftskrise machte sich zu diesem Zeitpunkt auch in der Schweiz bemerkbar, und das mittelständische Bürgertum wurde ärmer. Friedrich Dürrenmatt besuchte zunächst das Berner Freie Gymnasium, später das Humboldtianum, an dem er 1941 die Matura ablegte. Er war kein besonders guter Schüler (Gesamtnote: „knapp ausreichend“) und bezeichnete seine Schulzeit selbst als die „übelste Zeit“ seines Lebens. Die Schule wechselte er, weil ihm die Art des Unterrichts nicht gefiel, weil er schlechte Noten hatte und weil er durch sein Verhalten bei den Lehrern aneckte. Es ist bekannt, dass Dürrenmatt 1941 Mitglied einer Fröntler-Vereinigung war, um sich von seinem Vater abzugrenzen, wie er später einräumte. Noch in Konolfingen begann er zu malen und zu zeichnen, eine Neigung, die er sein Leben lang verspüren sollte. Er illustrierte später manches seiner eigenen Werke, verfasste Skizzen, zum Teil ganze Bühnenbilder . Seine Bilder wurden 1976 und 1985 in Neuenburg, 1978 in Zürich ausgestellt. Eigentlich wollte er eine Ausbildung zum Kunstmaler machen, studierte aber dann ab 1941 Philosophie , Naturwissenschaften und Germanistik an der Universität Bern , dazwischen 1942/43 an der Universität Zürich . In Bern wohnte er bei seinen Eltern in einer Mansarde , die er mit grossen Wandbildern ausstattete, die später übertüncht und erst Anfang der neunziger Jahre entdeckt, freigelegt und restauriert wurden (siehe Dürrenmatt-Mansarde ). 1946 beendete er das Studium, ohne seine geplante Dissertation zu Søren Kierkegaard auch nur anzufangen, entschlossen, Schriftsteller zu werden. Sein erstes veröffentlichtes Stück, Es steht geschrieben , wurde 1947 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt . Am 11. Oktober 1946 heiratete er die Schauspielerin Lotti Geissler; darauf zogen sie zunächst nach Basel , wo 1947 ihr Sohn Peter geboren wurde, dann 1948 nach Schernelz am Bielersee . Dort entstand 1950 der Kriminalroman Der Richter und sein Henker mit offenem Bezug auf angrenzende Lokalitäten wie Lamboing . Dieses Werk gehört heutzutage zur Standard-Lektüre an deutschsprachigen Schulen. Die ersten Jahre bis 1952 als freier Schriftsteller waren finanziell schwierig für Dürrenmatt und seine bald fünfköpfige Familie. Dann besserte sich die finanzielle Situation, besonders aufgrund von Aufträgen deutscher Rundfunkanstalten , weswegen einige Hörspiele entstanden. Ausserdem wurde zu dieser Zeit der Arche Verlag zu seinem Stammverlag. Seine beiden Krimis – Der Verdacht hiess der zweite – wurden ab 1950 zuerst als Fortsetzungsgeschichten im Schweizerischen Beobachter veröffentlicht. Die Dürrenmatts bezogen 1952 ihren dauerhaften Wohnsitz in Neuenburg . 1952 entstand sein Theaterstück Die Ehe des Herrn Mississippi , mit dem er seinen ersten grossen Erfolg auf den bundesdeutschen Bühnen verzeichnen konnte. Weltweiten Erfolg erzielte er mit seiner Komödie Der Besuch der alten Dame . Die Physiker , er bezeichnete dieses Werk ebenfalls als Komödie, wurde sein erfolgreichstes Theaterstück. Für sein Schaffen erhielt er viele Auszeichnungen, so 1948 den Welti-Preis (für Es steht geschrieben ), 1959 den Schillerpreis der Stadt Mannheim , 1960 den Grossen Schillerpreis und 1977 die Buber-Rosenzweig-Medaille . 1969 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Temple University in Philadelphia verliehen, und er erhielt weitere Ehrendoktortitel in Jerusalem und Nizza. In den 1960ern stand Dürrenmatt mit seinen Theaterwerken auf dem Höhepunkt seines Öffentlichkeitserfolges. Dürrenmatt widmete sich teilweise hauptberuflich der praktischen Theaterarbeit, erst an Basler Bühnen, nach einem Herzinfarkt im Oktober 1969 in der Neuen Schauspiel AG in Zürich, schliesslich in Düsseldorf . Dort fanden zwei seiner Uraufführungen statt, Porträt eines Planeten und Titus Andronicus . Er inszenierte mehrere spektakuläre Wiederaufführungen seiner eigenen Stücke, so 1978 in Wien Der Meteor (1964/65). Dürrenmatt nahm als gesellschaftskritischer Autor in Essays, Vorträgen und Festreden Stellung zur internationalen Politik, etwa mit Amerika (1970), dem Pressetext Ich stelle mich hinter Israel (1973) und einem Vortrag zum 100. Geburtstag von Albert Einstein an der ETH Zürich (1979). 1990 hielt er zwei Reden zu Václav Havel und Michail Gorbatschow , die unter dem Titel Kants Hoffnung erschienen. Für die 29-bändige Werkausgabe , die 1980 im Arche Verlag (gebunden) und im Diogenes Verlag (als Taschenbuch) erschien, hatte Dürrenmatt von den meisten seiner Werke Neufassungen hergestellt. In dieser Zeit setzte er sich intensiv mit seiner eigenen Arbeitsweise und seinen von ihm erschaffenen Figuren und Orten auseinander, mündend in den beiden Bänden Labyrinth. Stoffe I–III (1981) und Turmbau. Stoffe IV–IX (1990). Aus Typoskripten wurde 1992 postum unter dem Titel Gedankenfuge eine Fortsetzung der Stoffe veröffentlicht. „Aber die Stoffe sind die Resultate meines Denkens, die Spiegel, in denen, je nach ihrem Schliff, mein Denken und damit auch mein Leben reflektiert werden.“In den 1980ern erhielt er wieder eine Reihe von Auszeichnungen, so 1983 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur oder 1986 den Georg-Büchner-Preis . Am 16. Januar 1983 starb seine Frau Lotti. Dürrenmatt heiratete am 8. Mai 1984 die Schauspielerin, Filmemacherin und Journalistin Charlotte Kerr . Zusammen brachten sie den Film Porträt eines Planeten und das Theaterstück Rollenspiele heraus. Am 14. Dezember 1990 starb Friedrich Dürrenmatt in Neuenburg im Alter von 69 Jahren. Charlotte Kerr hat ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in ihrem Buch Die Frau im roten Mantel verarbeitet. Postum wurde Dürrenmatt mit Einverständnis seiner Witwe in die Lord Jim Loge aufgenommen. |
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DÜRRENMATTS DRAMENTHEORIE |
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Friedrich Dürrenmatt |
'Theater' Federzeichnung von Friedrich Dürrenmatt | Bertolt Brecht |
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Ähnlich wie Bertolt Brecht (1898–1956), dessen Theorien zum epischen Theater Dürrenmatt studierte, wollte er beim Zuschauer Distanz zum Geschehen auf der Bühne erzeugen. Der Zuschauer soll nicht weiter die Rolle eines passiven Konsumenten innehaben. Er soll zum eigenständigen Nachdenken angeregt werden. Dazu bevorzugte Dürrenmatt das Stilmittel der Verfremdung , z. B. allgemein Anerkanntes wird hinterfragt, die Widersprüchlichkeit gesellschaftlicher Strukturen wird offenbart. Ebenso charakteristisch sind tragisch-groteske Elemente, also eine Verbindung von scheinbar Unvereinbarem. Im Gegensatz zu Brecht präsentierte Dürrenmatt aber keine Weltanschauung (bei Brecht: Marxismus ). Dürrenmatt schuf so seinen eigenen Typus der Tragikomödie , einer Mischform aus Tragödie und Komödie, seiner Meinung nach «die einzig mögliche dramatische Form, heute das Tragische auszusagen». Denn die Tragödie setzt, wie Dürrenmatt in seinem Text « Theaterprobleme » von 1955 sagt, «Schuld, Not, Mass, Übersicht, Verantwortung» voraus, um ihr Ziel, die Läuterung des Einzelnen, zu erreichen. In der Unübersichtlichkeit der modernen Welt, so Dürrenmatt, werde Schuld verwischt und abgeschoben, der Moderne komme nur die Groteske bei. |
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Freidrich Dürrenmatt: 21 Punkte zu den Physikern |
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| spectacles 2009/2010 |
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